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Literatur war seine Leidenschaft

Mit Trauer erfüllt uns die Nachricht, dass unser ehemaliger Kollege Hansgeorg Herlitz, Pionier der ersten Stunde beim Aufbau des AEG, am 30. August im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Englisch, in den Anfangsjahren auch Musik mit der Klampfe als Begleitung. Dadurch hat er viele Schülergenerationen nachhaltig geprägt, indem er ihnen die Literatur nähergebracht und seine Begeisterung mit ihnen geteilt hat.
Seitdem ich an der Schule bin bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 kannte ich Herrn Herlitz als kompetenten Fachvorsitzenden Deutsch, der die Fachkonferenz auch schonmal zum Kaffeetrinken und Katzenstreicheln in seinen traumhaft verwunschenen Garten einlud.
Er wurde für mich ein fachkundiger Mentor, für die junge Lehrerin fast so etwas wie „Nathan der Weise“, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand, z.B. bei Unterrichtsvorbereitungen und Lektüreauswahl, bei gemeinsam erarbeiteten Abiturvorschlägen, Kokorrekturen und mündlichen Prüfungen. Der Respekt vor ihm war groß. Nachdem wir auf einer Weihnachtsfeier Brüderschaft getrunken hatten (damals tat man so etwas noch und duzte sich nicht einfach!), traute ich mich am Montagmorgen trotzdem nicht, ihn mit Du anzusprechen, weil ich nicht wusste, ob er sich daran erinnern konnte, denn wir hatten beide dem Wein reichlich zugesprochen – und er tat es auch nicht! So musste die Prozedur kurze Zeit später noch einmal wiederholt werden.
Die freundschaftliche Beziehung entwickelte sich weiter, als wir mit vier Deutschkollegen unser „Literarisches Quartett“ gründeten und über viele Jahre hinweg in regelmäßigen Abständen in privater Runde Bücher besprachen, ohne sie auf den Aspekt der Unterrichtstauglichkeit zu überprüfen. Dabei war er unser Hahn im Korb, und da wir ab und zu Kurzreisen auf literarischen Spuren unternahmen, kam es zum Erstaunen von Nachbarn und Verwandten dazu, dass Herr Herlitz mit drei fremden blonden Frauen unterwegs war, ohne dass seine Frau Einwände zu erheben schien.
Genauso lange, wie er als Fachvorsitzender tätig war, war er auch Vorsitzender des Lehrerrats und setzte sich engagiert für die Belange des Kollegiums ein, das den Gentleman der alten Schule allgemein schätzte. Mit vielen stilistisch ausgefeilten und humorvollen Reden zu verschiedenen Anlässen unterhielt er die Schulgemeinde gerne. Hansgeorg Herlitz war zudem über viele Jahre der Chronist der Schule, der alljährlich mit sprachlicher Brillianz die Entwicklung des AEG auch in unruhigen Zeiten einfühlsam dokumentierte. Seine Berichte sind bis heute ein wertvolles Zeugnis der Geschichte unseres Gymnasiums.
Durch seinen Enkel blieb er im Hinblick auf die Schulentwicklung auf dem Laufenden, fragte auch detailliert nach, um die Lehrerperspektive zu hören, und schüttelte über manche Neuerungen den Kopf.
Der Tod seiner Frau vor einigen Jahren hat ihn sehr getroffen. Als er dann auch in seiner Mobilität eingeschränkt war, waren, nach eigener Aussage, dem „Literaturpapst vom AEG“ Bücher ein großer Trost.
Lieber Hansgeorg, wo immer du jetzt bist, ich wünsche dir, dass es eine umfangreiche Bibliothek dort gibt!
Ursula Pukies

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